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 Waldstetten/Wißgoldingen e.V.

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Schanze unterm Stuifen

 

 

Schanze unterm Stuifen

 

Waldstettens Olympiasiegerin Carina Vogt sprang nie von der Schanze unterm Stuifen, es gab sie schon in ihren Kindertagen nicht mehr.

 

Mehr als 80 Jahre zuvor empfanden Skisportbegeisterte des Ski Clubs „Kaltes Feld“ Waldstetten aber wohl eine ähnliche Faszination daran, vom festen Boden abzuheben - und, wenn auch kurz, durch die Luft zu „segeln“.

Am Fuße des Hausbergs der Waldstetter Wintersportler, dem Stuifen, wurde von Vereinsmitgliedern 1930 eine Schanze errichtet; in der Chronik werden Männer wie Josef Straubinger, Anton Heilig sowie Karl und Hans Kaiser als Verantwortliche für den Bau genannt.

 

Im Jahr 1931 findet dann in Waldstetten die Schanzenweihe der „großen“ Schanze statt.

Beim Reichsjugendschitag 1934 besteht sie ihre Belastungsprobe. In der Einladungsbroschüre ist zu lesen: „Die Schanzenanlage ist in ausgezeichneter Verfassung und läßt Sprünge bis 30m zu. Außer dem Anlaufturm haben wir zu beiden Seiten Zuschauertreppen und eine Kampfrichterbühne erstellt. Direkt am Anlauf der Schanze ist ein schmuckes Clubhaus entstanden, von dessen Terrasse (!) die Sprünge gut verfolgt werden können. Eine Reserveschanze in 650m Höhe am Stuifen und zwei weitere Übungsschanzen im übrigen Gelände werden erstellt, so daß allen Ansprüchen Rechnung getragen werden kann.“

 

Der Vereinsskispringer Heinz Huber erzählt aus den 50-er Jahren: „Die Vorbereitung der Springer begann zuhause. Schuhe (ganz normale Straßenstiefel), Keilhosen (oft auch Knickerbocker) wurden auf ihren Zustand überprüft. Die Ski (normale Abfahrtsski) wurden schon Tage zuvor begutachtet, gewachst und mit Mutters Bügeleisen präpariert.... Zu Fuß und mit geschultertem Ski ging es durch den Ort zur Skihütte.

Die Zuschauer gingen den gleichen Weg. … Die Weitenmesser nahmen ihre Position ein und die Schanze wurde freigegeben. … Das damalige Reglement sah einen Probe- und zwei Wertungssprünge vor. Gewertet wurden die Weite und die Haltung.“

 

Theo Betz berichtet in seinem Buch über die Hölzle-Familie auch über den Skisport unterm Stuifen: „Legendär war das Skispringen auf der Waldstetter Skischanze und der Abfahrtslauf, der unterhalb vom Stuifen begann, durch einen schmalen Waldweg hinunter zum Tausendteufel führte und ganz unten fast am Dorfrand sein Ziel hatte. … Dicht gedrängt standen die Zuschauer an der Piste und am Auslauf der Schanze, die immerhin einen kritischen Punkt von 30m hatte. Dabei muss man hinzufügen, dass sie nicht einfach zu springen war und einem schon das Fürchten lehrte. Der extrem lange Auslauf erforderte großes skifahrerisches Geschick und führte nicht selten zu spektakulären Stürzen.“

 

Franz Pitzal (der Renninger „Krippenpfarrer“) schildert in seinem Buch „Mein Weg“ seine Begeisterung für das Skispringen. Eine besondere Herausforderung war für ihn in den Fünfzigerjahren von der „Großschanze“ in Waldstetten zu springen: „Vom Schanzentisch aus sah man nicht, wo man landete. Die Sprungbedingungen waren damit ganz anders, das Fliegen durch die Luft in wenigen Sekunden und dabei beobachten zu dürfen, wie die Menschen zu einem hinaufschauten – das ergab ein völlig anderes Gefühl, eine prickelnde Atmosphäre.“

Bis Anfang der sechziger Jahre wurde die Sprungschanze noch genutzt, mangels Interesse wurde der Schanzenbetrieb jedoch eingestellt und die Anlage verfiel.

 

Und dennoch – Dank der Degenfelder Skisprungausbildung:

                           Olympia-Gold für Waldstetter Wintersportlerin

 

Zu den Wintersportpionieren der Vergangenheit ist aktuell eine junge Frau hinzugekommen: Die 22-jährige Carina Vogt aus unserem Heimatort ging 2014 bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi für die deutsche Mannschaft an den Start. Und sie schrieb Geschichte, denn sie gewann den erstmals bei Olympia ausgetragenen Wettbewerb im Skispringen der Frauen.

 

Carina Vogt hat auch als erste deutsche Skispringerin einen Einzelweltcup im Skispringen (2015 in Zao/Japan) gewonnen. Im erstmals ausgetragenen Wettbewerb der gemischten Mannschaften gewann sie bei der  Weltmeisterschaft im italienischen Val di Fiemme 2013 eine Bronzemedaille. Bei den Weltmeisterschaften im Februar 2015 im schwedischen Falun wurde sie zweifache Weltmeisterin: Sie gewann die Titel sowohl im Einzelspringen der Frauen als auch im Mixed-Wettbewerb. Diese beiden Titel verteidigte sie bei der WM 2017 im finnischen Lahti.

 

Nicht verschweigen wollen wir, dass sie ihren Erfolg u.a. der guten Ausbildung bei ihrem Heimatverein, dem SC Degenfeld, zu verdanken hat. Bei ihrer Teilnahme am Schülerferienprogramm der Gemeinde Waldstetten hatte sie die Liebe zu diesem Sport an der Degenfelder Schanze entdeckt.

 

Text und Recherche Hans-Walter Burkhardt

 

Quellenangabe

Vereinsjubiläumsschriften

Skiabteilung TSGV Waldstetten(Hrsg.): Festschrift 75 Jahre Skisport in Waldstetten,

Redaktion: Paul Lerchenmüller, Andi Ocker, Schwaben-Verlag Ellwangen 1999

TSGV Waldstetten 1847 e.V. (Hrsg.): 150 Jahre TSGV Waldstetten 1847 e.V.,

Redaktion: Angelika Rieth-Hetzel, WHK-Druck Gschwend 1997

Biografie/Heimatgeschichtliche Literatur

Betz, Theo: Aus bestem Holz geschnitzt, Die „Hölzles“ eine Familiengeschichte im Wandel der Zeiten,

Einhorn Verlag Schwäbisch Gmünd 2011

Pitzal, Franz: Mein Weg, JVA Heimsheim 2006

Privatmaterial

Bildarchiv Albert Kaiser (privat), Schwäbisch Gmünd

Ernst Schmid, Fotoalbum (privat)

Materialordner „Skifahren rund um Waldstetten“, zusammengetragen von Horst Blessing,

Rg.Nr. 1039, Archiv Heimatverein Waldstetten mit u.a.

Einladungsbroschüre 10. Schwäbischer Jugendschitag 1933 in Waldstetten bei Gmünd – und

Einladungsbroschüre Reichs-Jugendschitag (10. schwäbischer) 1934 in Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd

Werbefaltblatt der Gemeinde Waldstetten: Waldstetten am Fusse des Hornberg, 1934 (?)

Zeitungsrecherche

Rems-Zeitung Schwäbisch Gmünd vom 12. Februar 2014: „ 'Hab Mut, pack es, spring, wag es!' “: Pfarrer

Franz Pitzal und Theo Betz erinnern sich an die Waldstetter Sprungschanze unterm Stuifen

Remszeitung Schwäbisch Gmünd: Carina Vogt; Text/Bild Hinderberger/Kessler 2014

Informationsseiten aus dem Internet:

http://www.skisprungschanzen.com/DE/ Schanzen, Fassung vom 24.02.2014

http://www.waldstetten.de/data/gemeindnachrichten.php; Artikel vom 26.02.2014 (zum Olympiasieg von Carina Vogt)

 

 

 

 

Einladungsheft Jugendschitag 1933 Waldstetten

Ernst Schmid, Stuifenschanze, um 1945

Skispringen in Waldstetten 1931

Waldstetter Skihütte


 

 

 

 

 

Überwältigender und hochemotionaler Empfang für Olympiasiegerin Carina Vogt in ihrer Heimatgemeinde Waldstetten – ein kleiner Rückblick mit Bildern

 

 

 

Carina Vogt Empfang der Olympiasiegerin in der Heimat

Carina Vogt Oberstdorf 2014

Carina Vogt Oberstdorf 2014

 

 

 


 


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